Viele Lehrer*innen starten hochmotiviert in ihren Beruf.
Froh, das Referendariat geschafft zu haben. Endlich „richtig“ Lehrkraft zu sein. Der Beruf fühlt sich sinnvoll an. Das Gehalt stimmt.
Und dann sind sie wenige Monate später erschöpft, verunsichert oder überfordert.
Gedanken wie diese tauchen plötzlich auf:
„Wie soll ich das alles schaffen?“
„Den Kolleg*innen gelingt das viel besser als mir.“
„Ich fühle mich manchen Klassen gegenüber hilflos.“
„Vielleicht bin ich einfach nicht geeignet für diesen Beruf.“
„Hoffentlich merkt niemand, dass ich keine Ahnung habe.“
Überforderung im Berufseinstieg als Lehrer*in ist kein Randphänomen. Viele Lehrkräfte verlassen den Beruf in den ersten Jahren wieder – wahrscheinlich nicht, weil sie ungeeignet wären, sondern weil sie zu wenig Unterstützung bekommen.
In diesem Artikel zeige ich aus meiner Perspektive als Coachin, Therapeutin und vor dem Hintergrund meiner eigenen Schulerfahrung:
- warum der Berufseinstieg für Lehrer*innen so häufig überfordernd ist
- wie Stress, Körper und System zusammenwirken
- warum Überforderung in der Regel nichts mit persönlicher Schwäche zu tun hat
- und was Lehrer*innen im Berufseinstieg wirklich hilft – und wie sie wieder in Selbstwirksamkeit kommen können
Mir ist dieses Thema ein persönliches Anliegen, weil es mir das Herz bricht zu sehen, wie viele kluge, engagierte Menschen an sich selbst zweifeln und aufgeben – obwohl sie vielleicht einfach ein bisschen Unterstützung gebraucht hätten.
Inhaltsverzeichnis
1. Warum der Berufseinstieg als Lehrer*in so oft überfordert
Der Einstieg in den Lehrer*innenberuf ist kein sanfter Übergang, sondern für viele ein abrupter Rollenwechsel.
Trotz Referendariat trägst du plötzlich Verantwortung für:
- mehrere Klassen
- Lernprozesse, Beziehungen und Konflikte
- Leistungsbewertungen und Beurteilungen
- Klassenleitung, Elternkontakte, Konferenzen
- organisatorische Abläufe
- und deine eigene emotionale Regulation
Viele Dinge machst du zum ersten Mal:
die erste Klassenfahrt, die ersten Zeugnisse, schwierige Elterngespräche, Konflikte im Kollegium.
Gleichzeitig fehlt häufig:
- eine echte Einarbeitung
- kontinuierliches Mentoring
- Zeit für Reflexion
- ein Raum, um Unsicherheit zu zeigen
Die unausgesprochene Erwartung lautet oft:
„Du bist jetzt ausgebildete Lehrkraft – und das musst du jetzt beweisen.“
2. Was „Überforderung“ im Lehrer-Berufseinstieg wirklich bedeutet
Überforderung ist kein einzelner stressiger Tag.
Sie entsteht, wenn Anforderungen und verfügbare Ressourcen über längere Zeit nicht zusammenpassen.
Typische Anzeichen sind:
- anhaltende Erschöpfung
- Schlafprobleme
- innere Unruhe oder Reizbarkeit
- häufige Infekte
- Stimmprobleme
- Rückzug oder emotionale Abstumpfung
Der Körper reagiert oft früher als der Kopf.
Diese Signale ernst zu nehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Wahrnehmung.
Denn sie sind eine logische Reaktion auf Dauerstress im Berufseinstieg.
3. Die Wurzeln der Überforderung im Berufseinstieg: drei Ebenen
Überforderung entsteht nicht im luftleeren Raum.
Ich erlebe drei Ebenen, die sich gegenseitig verstärken – aber unterschiedliche Lösungswege brauchen.
3.1 Das System Schule
- zu viele Aufgaben für Berufseinsteiger*innen
- kaum Raum für Pausen
- fehlende Vertretungskonzepte
- wenig Teamarbeit
- wenig kollegiale Begleitung
- große Klassen
- viel Bürokratie
Diese Faktoren erzeugen strukturellen Druck.

Hier helfen Information, Zusammenschluss, Austausch – manchmal Geduld, selten schnelle Lösungen.
Aus meiner Erfahrung stärkt es viele Lehrer*innen, sich auf dieser Ebene zu informieren oder gemeinsam laut zu werden.
Wenn dich diese systemische Ebene stärker beschäftigt, habe ich dazu hier ausführlicher geschrieben:
3.2 Die Rolle als Lehrer*in
Viele junge Lehrer*innen erleben Kritik, Konflikte oder Störungen nicht als Teil der Rolle, sondern als persönliches Scheitern.
Dabei musst du als Lehrerin Entscheidungen treffen, die du privat anders treffen würdest.
Du musst Dinge vertreten, hinter denen du nicht stehst (für viele z. B. Benotung).
Und du wirst – als Stellvertreterin des Systems – schnell Projektionsfläche.
Hier geht es mir zunächst um Bewusstsein.
Und darum, diese Spannung zwischen Person und Rolle überhaupt benennen zu dürfen.
3.3 Innere Antreiber
Sätze wie:
- „Ich darf mir keine Fehler erlauben.“
- „Ich muss das schaffen.“
- „Andere können das doch auch.“
kennen viele – und sie verschärfen den Druck massiv.
Hier liegt ein wichtiger Ansatzpunkt.
Denn an inneren Anforderungen lässt sich oft direkt arbeiten – z. B. im Coaching oder in therapeutischer Begleitung.
Zum Thema Perfektionismus im Lehrer*innenberuf habe ich hier einen eigenen Artikel geschrieben:
4. Typische Stressoren im ersten Berufsjahr
Viele erleben besonders belastend:
- Unterrichtsvorbereitung, die nie „fertig“ ist
- Klassenführung ohne Erfahrungswissen
- Bewertung und Beurteilung mit moralischem Gewicht
- Elternkontakte ohne Vorbereitung
- Vergleiche im Kollegium
- fehlende Pausen – mental wie körperlich
Die Frage „Ist das normal?“ taucht häufig auf.
Da viele noch nicht an unterschiedlichen Schulen gearbeitet haben, fehlt oft der Vergleich.
So werden Dinge für „normal“ gehalten, die eigentlich nicht gesund oder tragbar sind.
5. Praxisschock: Wenn Ideale auf Realität treffen
In meiner Arbeit erlebe ich viele hoch motivierte Lehrer*innen.
Menschen mit Ideen. Mit Haltung. Mit Lust, Schule anders zu gestalten.
Und dann stoßen sie auf:
- „Das haben wir schon immer so gemacht.“
- fehlende Unterstützung durch Schulleitung
- Beschwerden von Eltern
- desillusionierte Kolleg*innen
- Strukturen, die Innovation erschweren
Die Gefahr ist groß, langsam zu dem zu werden, was man nie sein wollte.
Nicht aus Gleichgültigkeit – sondern aus Überlastung.
6. Grundbedürfnisse im Lehrer*innenalltag – und warum sie untergehen
Essen. Trinken. Toilette. Pausen. Bewegung. Schlaf.
Viele Lehrer*innen finden im vollen Schulalltag keinen Raum dafür.
Nicht, weil sie unwichtig wären – sondern weil der Tag dicht getaktet ist.
Ein Nervensystem, das dauerhaft unterversorgt ist, kann nicht stabil bleiben.
Gereiztheit und Erschöpfung sind dann keine Schwäche, sondern eine Folge.
7. Einsamkeit im Lehrerzimmer
Viele fühlen sich trotz Kollegium allein.
Weil sie dazugehören wollen. Keine Schwäche zeigen wollen. Niemandem zur Last fallen wollen.
So bleiben Beziehungen oberflächlich – und Entlastung aus.
Einsamkeit entsteht nicht durch fehlende Menschen, sondern durch fehlende Resonanz.
Dabei ist soziale Unterstützung einer der wichtigsten Schutzfaktoren gegen Stress.
8. Warnsignale: Wann Überforderung ernst genommen werden sollte
Spätestens wenn:
- Erholung nicht mehr möglich ist
- Freude am Unterrichten verschwindet
- der Körper dauerhaft streikt
- Gedanken an Ausstieg auftauchen
geht es nicht mehr um Durchhalten – sondern um Fürsorge.
9. Was du konkret tun kannst, wenn du dich im Berufseinstieg als Lehrer*in überfordert fühlst

Ich habe hier im Folgenden eine Liste erstellt mit Dingen, die mir und anderen wirklich geholfen haben. Wichtig: Versuche nicht alles gleichzeitig anzugehen. Ließ dir die Schritte durch und guck, was dich am meisten Anspricht oder dir am leichtesten erscheint anzugehen. Fange damit an 🙂
Ein kleiner Erste-Hilfe-Koffer
Erster Schritt: Ankommen – den Druck wahrnehmen
Bevor du etwas verändern willst, lohnt sich ein kurzer Moment des Innehaltens.
Wenn du magst:
Schließe für einen Moment die Augen – oder richte den Blick nach unten.
Und nimm wahr:
Was passiert in deinem Körper, wenn du an Schule denkst?
Vielleicht bemerkst du Druck in der Brust, Enge im Bauch, Spannung in Schultern oder Kiefer.
Du musst nichts verändern.
Nur wahrnehmen.
Manchen hilft ein inneres Bild:
Sich innerlich einen Schritt neben diese Empfindung zu setzen – und ihr zu signalisieren:
Ich sehe dich. Ich bin da. Ja, es ist viel.
Nicht, um etwas wegzumachen.
Sondern um nicht mehr allein dagegen anzukämpfen.
Viele Lehrer*innen sind es gewohnt, Druck sofort zu übergehen, zu funktionalisieren oder zu ignorieren.
Diese kleine Geste von Anerkennung kann bereits Entlastung bringen – weil der Körper nicht mehr zusätzlich kämpfen muss, um gehört zu werden. Du kannst immer mal wieder machen, wenn du Druck wahrnimmst.
Wenn nichts spürbar ist, ist das auch in Ordnung.
Dann ist das die Information.
Zweiter Schritt: Sortieren – was bin ich, was ist das System?
Überforderung fühlt sich häufig diffus an. Alles verschwimmt.
Deshalb ist Sortieren so zentral.
Eine Möglichkeit:
- Nimm zwei Zettel
- Der eine steht für „Ich“, der andere für „System Schule“.
Und dann forschend:
- Was belastet mich gerade – und gehört klar zum System?
- Was hat eher mit meinen Erwartungen, Antreibern, Ängsten zu tun?
- Stell dich ruhig mal auf beide Zettel drauf und spüre, wie es sich jeweils anfühlt.
Dann kannst du auch auf den jeweiligen Zettel schreiben:
- „Das kann ich gerade beeinflussen.“
- „Das kann ich gerade nicht beeinflussen.“
Beides darf da sein.
Aber: Beides braucht unterschiedliche Wege.
Systemthemen brauchen:
- Austausch
- Verbündete
- Geduld
- politischen oder kollektiven Druck
Eigene Themen brauchen:
- Selbstkontakt
- Entlastung
- neue Erfahrungen
- manchmal Coaching oder Therapie
Allein diese Unterscheidung bringt oft erste Klarheit.
Dritter Schritt: Grundbedürfnisse schützen
Viele Berufseinsteiger*innen unterschätzen, wie schnell der Schulalltag Grundbedürfnisse „auffrisst“. Das liegt unter anderem daran, dass häufig einfach kein Raum dafür vorgesehen ist.
Viele Lehrer*innen nehmen das wahr und sagen sich “ich sollte mal mehr trinken”. Dadurch ändert sich aber selten etwas.
Was dir wirklich helfen kann ist: Planung, kleine Entscheidungen und klare Grenzen.
Konkrete Mini-Interventionen, die wirklich machbar sind
1) Pausen sichtbar machen – auch wenn es nur 3 Minuten sind
Schau dir deinen Stundenplan an und frag dich nicht: „Wo wäre die perfekte Pause?“
Sondern: Wo ist realistisch eine Mini-Pause möglich? Oder noch besser: eine lange Pause?Trage sie bewusst ein.
Auch drei Minuten zählen, wenn du sie wirklich nutzt: trinken, kurz atmen, einmal aus dem Raum, einmal Schultern lockern.
2) Essen & Trinken vorbereiten
Frag dich:
Was brauchst du in der Schule, damit du genug Energie hast?
Manchmal reicht schon:
- eine große Flasche, die wirklich griffbereit steht
- etwas, das du ohne Aufwand essen kannst
- viele wünschen sich aber auch eine gesunde, leckere Mahlzeit
Auch dabei hilft Planung. Wann sind gute Zeitpunkte zum Einkaufen und Vorbereiten?Und was vielen hilft:
Leg dir in der Schule ein kleines Depot an: Nüsse, Riegel, Obst, Tee – irgendwas, was dir hilft, wenn du JETZT etwas brauchst.
3) Toilette ist kein Luxus
Viele Lehrer*innen schaffen es im Schulalltag nicht mal zur Toilette.
Weil sie Aufsicht haben, kopieren müssen, den Raum wechseln – oder weil in der Pause immer jemand etwas will.
Wenn du dich hier wiedererkennst lohnt sich die Frage:
Was davon liegt in meiner Hand – und wo kann ich durch Planung oder Grenzen Freiräume schaffen?
Zum Beispiel:
- Kopien nicht in der Pause, sondern am Vortag (oder in einer festen Kopier-Zeit)
- Gespräche mit Kolleg*innen nicht in der einzigen Pause, sondern bewusst verabreden
- Aufsichten so legen lassen, dass du zumindest einmal am Tag wirklich Luft hast
Das sind kleine Stellschrauben – aber sie entscheiden oft darüber, ob dein Körper dauerhaft in Alarm bleibt.
4) Feierabend und ausreichend Schlaf
Überleg dir:
Wieviele Stunden musst du schlafen, um ausgeruht zu sein? Wann möchtest du eigentlich Feierabend haben – und nicht mehr an Schule denken? Wieviel Zeit brauchst du Abends für Erholung?
Stell dir einen zur Erinnerung einen Feierabend Timer.
Und danach: Schaffe dir einen wirklichen Übergang.
Ein Schritt raus aus Schule zurück zu dir.
Das kann klein sein:
- einmal um den Block
- duschen
- Musik an
10 Minuten auf dem Boden liegen
Hauptsache: Dein System bekommt das Signal: Jetzt ist Schluss.
5) Nervensystem beruhigen – statt vom Laptop ins Bett zu kippen
Viele gehen nach der Schule direkt in „weiter funktionieren“ oder „wegkollabieren“.
Beides lässt den Körper in Stress und erzeugt schlaflose Nächte.
Hilfreich ist oft etwas, das wirklich runterreguliert:
- 10–15 Minuten Yin Yoga
- Dehnen
- ruhige Bewegung
- Atem, der länger aus- als einatmet
Das muss kein großes Programm sein. Aber der Körper hilft einfach sehr wirksam Stress zu regulieren.
Vierter Schritt: Ressourcen sehen: Was läuft – zumindest ein bisschen – gut?
In Phasen von Überforderung fühlt sich oft alles gleich schwer an.
Doch das stimmt fast nie.
Versuch, ein wenig zu forschen:
- Mit welcher Klasse läuft es etwas besser?
- In welchem Fach fühlst du dich sicherer?
- Zu welcher Tageszeit hast du mehr Kraft?
- An welchen Tagen gehst du leichter aus dem Unterricht?
Und dann schau genauer hin:
Was ist dort anders?
Zum Beispiel:
- Du bist gut vorbereitet
- Du hast selbst Lust auf das Thema
- Es gibt einen klaren Rahmen – und darin Freiheit
- Du kommst erholter in den Unterricht
- Du hattest vorher wirklich Pause
- Du hast etwas gegessen
- Du bist innerlich präsenter
Hier findest du wirklich wichtige Hinweise.
Aus ihnen lassen sich ganz konkrete Schlüsse ziehen:
- Vielleicht ist die 8. Stunde einfach kein guter Zeitpunkt für bestimmte Inhalte
- Vielleicht brauchst du vor bestimmten Klassen bewusst eine kurze Pause
- Vielleicht wirkt ein klarer Einstieg stabilisierend – für dich und die Klasse
Fünfter Schritt: Was kannst du konkret beeinflussen – hier und jetzt?
Nicht alles liegt in deiner Hand.
Aber einiges schon.
Eine hilfreiche Frage lautet:
Was kann ich heute konkret beeinflussen – unabhängig von Klasse, Kollegium oder System?
Zum Beispiel:
- Wie komme ich in den Unterricht hinein?
- In welchem Zustand bin ich vorher?
- Wie gestalte ich Übergänge?
Manchmal reicht eine kleine Verschiebung:
ein anderer Einstieg,
ein klareres Ende,
eine bewusste Pause dazwischen.
Einer der wichtigsten Hebel, um dein Nervensystem zu beeinflussen, ist einfach Bewegung.
Deswegen versuch, nicht theoretisch zu antworten, sondern konkret, körperlich, erfahrbar:
- Was bringt dich in eine gute Stimmung?
- Was hilft dir wirklich runterzufahren?
- Was gibt dir Kraft und Selbstvertrauen?
Für mich persönlich zum Beispiel:
- schnelles Laufen, wenn ich Energie brauche
- Yin Yoga, um wirklich runterzufahren
- Singen, für richtig gute Laune
Vielleicht weißt du sofort, was dir hilft.
Vielleicht musst du ein bisschen experimentieren.
Du kannst dir Fragen stellen wie:
- Was tut mir am Abend vor einem stressigen Tag gut, um den Kopf freizukriegen?
- Was hilft mir morgens, in eine ruhige, klare Haltung zu kommen?
- Was brauche ich zwischen zwei Stunden, um nicht nur weiter zu funktionieren?
Wichtig dabei:
Achte darauf, dass dein Anker wirklich bei dir liegt.
Kein „Wenn nur die Klasse anders wäre“,
sondern: Was kann ich selbst – konkret – tun?
Sechster Schritt: Nicht allein bleiben – Überforderung braucht Beziehung
Viele Berufseinsteiger*innen ziehen sich zurück, wenn sie unsicher sind.
Dabei ist genau das Gegenteil hilfreich.
Manchen hilft ein sehr einfacher, klarer Rahmen:
- Such dir eine andere Lehrkraft, der du vertraust (z.B. aus dem Ref oder Studium)
- Stellt euch einen Timer auf 10 Minuten
- Eine Person spricht
- Die andere hört nur zu
– ohne Bewertung, ohne Unterbrechung, ohne Ratschläge - Danach direkt Rollenwechsel
Warum das wirkt:
Weil sich Gedanken sortieren dürfen,
weil Druck geteilt wird,
und weil Resonanz oft mehr entlastet als Lösungen.
Siebter Schritt: Externe Unterstützung nutzen
- Für rechtliche & strukturelle Fragen z. B. GEW (Link)
- Für eigene Themen: Coaching oder Therapie
Hier nochmal zusammengefasst:

Hindernisse mitdenken
Bei jedem Punkt lohnt sich eine Frage, die ich sehr mag:
Was könnte dazwischenkommen – und was mache ich dann?
Denn in der Schule kommt immer etwas dazwischen. 🙂 Beispiel: Jemand will „kurz“ was in deiner Pause klären.
Hier geht es oft darum Grenzen zu ziehen.
Anderen hilft hier zum Beispiel:
- „Ich hab gerade nur kurz Pause. Lass uns nach der 6. Stunde / morgen / per Mail sammeln.“
- „Schreib’s mir bitte kurz, dann vergesse ich es nicht.“
10. Warum ich mit Lehrer*innen im Berufseinstieg über ein Schuljahr arbeite
Viele Lehrkräfte starten mit hoher Motivation, großer Verantwortung und dem Wunsch, etwas zu bewegen – und treffen dann auf ein System, das komplexer, widersprüchlicher und oft härter ist als erwartet.
Was ich immer wieder beobachte: Es fehlt nicht an Engagement oder Kompetenz. Was fehlt, ist ein Raum, in dem Erfahrungen wirklich verarbeitet werden können.
Denn der Berufseinstieg ist selten nur eine fachliche Herausforderung. Es ist eine Phase, in der Identität, Rolle und Beziehung neu verhandelt werden und alte Themen verstärkt sicht- und spürbar werden:
Wie bleibe ich in Kontakt mit Schüler*innen, ohne mich selbst zu verlieren?
Wie gehe ich mit Wut, Unsicherheit oder Überforderung um, wenn sie auftauchen?
Wo sind meine Grenzen – und darf ich sie überhaupt setzen?

Schule ist Beziehung. Und genau dort entsteht oft der größte Druck:
in der Beziehung zu Schüler*innen,
zu Kolleg*innen,
und nicht zuletzt zu sich selbst.
Deshalb arbeite ich nicht mit schnellen Tipps oder Selbstoptimierungsstrategien. Mich interessiert die tieferliegende Bewegung: das, was zwischen Menschen passiert, und das, was im eigenen Inneren spürbar wird.
Diese Arbeit ist manchmal intensiv – und gleichzeitig entlastend, weil sie einen Perspektivwechsel ermöglicht: weg vom „Ich muss besser funktionieren“ hin zu einem differenzierteren Verständnis von sich selbst im System und zu den eigenen Ressourcen.
Dabei geht es immer um beides:
die persönliche Ebene – und die strukturellen Bedingungen, die Stress mit erzeugen.
Ich begleite Lehrer*innen im Berufseinstieg über ein ganzes Schuljahr hinweg. Weil Entwicklung Zeit braucht, Beziehung braucht – und einen Raum, in dem man nicht allein ist.
Wenn du neugierig bist, wie so eine Begleitung aussehen kann, findest du hier mehr Informationen zum Teachers’ Room.
11. Fazit
Überforderung im Berufseinstieg als Lehrer*in ist kein Urteil über deine Eignung.
Sie ist oft ein Hinweis darauf, dass etwas zu viel ist – und Unterstützung fehlt.
12. Wiederkehrende Fragen

Ist Überforderung im Berufseinstieg als Lehrer*in normal – oder stimmt etwas nicht mit mir?

Bin ich für den Lehrer*innenberuf geeignet, wenn ich mich ständig überfordert fühle?

Was hilft wirklich bei Überforderung im Lehrer*innenberuf – und ab wann sollte ich mir Unterstützung holen?
- Über die Autorin
WER BIN ICH?

Wiebke Heiber
Gründerin TeacherscareIch bin Wiebke Heiber, habe immer wieder als Lehrerin gearbeitet und wollte Schule schon immer verändern. Lange hatte ich das Gefühl, es müsse sich einfach alles ändern. Das fühlte sich so überfordernd an, dass ich lieber gar nichts gemacht habe.
Und ja, Bildung muss endlich höchste Priotität und damit Ressourcen und Wertschätzung auf politischer Ebene erhalten. Und gleichzeitig empfinde ich es als frustrierend nur auf dieser Ebene anzusetzen und auf Änderungen zu warten, während der Schulbetrieb weiter läuft.
Deswegen möchte ich Lehrer*innen dahingehend stärken, dass sie für sich und ihre Werte einstehen. Und vorhandene Gestaltungsräume wahrnehmen, nutzen und vergrößern.




