
Viele Lehrer*innen erleben Überforderung durch Schüler*innen.
Nicht jede dieser Situationen ist gut lösbar und das liegt nicht nur an der eigenen Haltung, Kompetenz oder Erfahrung.
Es gibt Schüler*innen, bei denen Beziehungsarbeit im derzeitigen Schulsystem extrem schwer ist oder an reale Grenzen stößt. Große Klassen, fehlende Unterstützung, kaum Zeit für Beziehung und komplexe Lebenslagen machen pädagogisches Handeln hier oft nur sehr eingeschränkt möglich.
Andere Rahmenbedingungen würden das Lehrer*innenleben erheblich erleichtern: mehr Zeit, kleinere Lerngruppen, multiprofessionelle Teams. Vielleicht hast du an deiner Schule tatsächlich kaum Spielraum. Dann sind andere Schritte sinnvoll – und entlastend.
Vielleicht hast du aber auch das Gefühl, dass es nicht nur an den äußeren Bedingungen liegt. Oder du beobachtest Kolleg*innen, die scheinbar besser mit bestimmten Schüler*innen klarkommen – und fragst dich, woran das liegt.
Dann kann es hilfreich sein, genauer hinzuschauen und die eigenen Reaktionen in diesen Beziehungen bewusster wahrzunehmen.
Denn wenn Lehrer*innen durch Schüler*innen überfordert sind, entsteht dieser Stress fast immer in Beziehungen:
dort, wo Grenzen verschwimmen,
Respekt fehlt,
Gereiztheit zunimmt
und wo Lehrer*innen emotional stärker involviert sind, als es ihnen manchmal lieb ist.
Inhaltsverzeichnis
1.Warum Lehrer*innen sich durch Schüler*innen überfordert fühlen
Wenn Lehrer*innen beschreiben, dass sie durch Schüler*innen überfordert sind, geht es selten um Fachinhalte.
Es geht um Situationen wie:
- dauerhafte Grenztests
- respektloses oder abwertendes Verhalten
- Machtkämpfe
- das Gefühl, emotional vereinnahmt zu werden
- innere Anspannung schon vor bestimmten Stunden
Beziehungsarbeit bedeutet, sich einzulassen.
Das macht sie wirksam und gleichzeitig so erschöpfend.
2. Lehrer*innen überfordert durch Schüler*innen: Wenn Stress in Beziehungen entsteht
Stress mit Schüler*innen ist Beziehungsstress.
Er entsteht dort, wo Lehrer*innen dauerhaft zwischen widersprüchlichen Anforderungen stehen:
- Nähe zulassen und gleichzeitig Autorität wahren
- Beziehung aufbauen und dennoch klare Grenzen setzen
- einzelne Schüler*innen sehen und zugleich das System vertreten
Diese Spannungen lassen sich nicht einfach „auflösen“.
Sie wollen gehalten, reflektiert und innerlich sortiert werden – Schritt für Schritt, im eigenen Tempo.
3. Typische innere Muster, wenn Lehrer*innen überfordert durch Schüler*innen sind
Viele Lehrer*innen sind nicht unbedingt wegen einzelner Schüler*innen überfordert,
sondern weil sich in Beziehungen bestimmte innere Muster zeigen.
Allen gefallen wollen
Der Wunsch nach Anerkennung und guter Beziehung ist menschlich. Wenn er handlungsleitend wird, geraten eigene Bedürfnisse in den Hintergrund. Oft so lange, bis große Erschöpfung entsteht.
Keine Grenzen setzen können
Grenzen werden eventuell sogar gespürt, aber innerlich infrage gestellt:
Darf ich das fordern? Bin ich dann zu hart?
Diese innere Unsicherheit kostet viel Energie.
Zu viele Grenzen setzen
Als Gegenreaktion: Kontrolle, Strenge, emotionale Distanz.
Das schützt kurzfristig, verschärft langfristig jedoch Konflikte.
Trigger nicht erkennen
Bestimmte Schüler*innen oder Situationen lösen überproportionale Reaktionen aus:
Genervtheit, Wut, Rückzug.
Oft, ohne dass der Zusammenhang bewusst ist.
Gereizt oder erschöpft reagieren
Häufig ein Hinweis darauf, dass etwas zu viel geworden ist und dass die eigene Belastungsgrenze gerade berührt oder überschritten wird.
Anderen mehr Wert beimessen als sich selbst
Immer verfügbar sein, immer zuständig, immer verständnisvoll.
Die eigenen Bedürfnisse werden häufig über lange Zeit zurückgestellt.
4. Die Lehrer*innenrolle zwischen Nähe und Autorität
Viele Lehrer*innen fühlen sich durch Schüler*innen überfordert, weil die eigene Rolle innerlich dauerhaft unter Spannung steht.
Zu viel Nähe kann:
- emotional vereinnahmen
- Verantwortung verschieben
- Grenzen aufweichen
Zu viel Distanz kann:
- Beziehung abbrechen lassen
- Machtkämpfe verstärken
- innere Verhärtung fördern
Für diese Balance ist Präsenz, Selbstwahrnehmung –
und, nicht selten, die Reflexion der eigenen Geschichte hilfreich.
Woher kenne ich diese Rolle? Wo habe ich gelernt, so zu reagieren?
5. Loyalitätskonflikte verstärken Überforderung durch Schüler*innen
Ein oft unterschätzter Stressfaktor sind innere Loyalitätskonflikte.
Viele Lehrer*innen erleben sich zerrissen zwischen:
- dem Wunsch, einzelne Schüler*innen zu schützen und zu verstehen
- und der Verpflichtung gegenüber Noten, Regeln und Ordnungsmaßnahmen
Diese Konflikte lassen sich häufig schwer lösen. Und das macht sie für viele sehr erschöpfend.
6. Grund- oder Sekundarstufe: Überfordert durch Schüler*innen auf unterschiedliche Weise
Grundschule – Nähe als Belastung
In der Grundschule steht häufig eher Fürsorge im Vordergrund.
Grenzen setzen kann sich emotional wie Lieblosigkeit anfühlen.
Sekundarstufe – Autorität als Belastung
In der Sekundarstufe treten stärker Macht-, Respekt- und Autoritätsfragen auf.
Die Lehrer*innenrolle wird häufiger infrage gestellt.
In beiden Fällen gilt:
Lehrer*innen sind überfordert durch Schüler*innen, weil emotionale Beteiligung hoch ist, nur vielleicht auf unterschiedliche Weise.
7. Was es körperlich bedeutet, als Lehrer*in überfordert zu sein
Dauerhafter Beziehungsstress wirkt nicht nur psychisch.
Häufige Folgen sind:
- anhaltende Muskelanspannung
- Erschöpfung
- Schlafprobleme
- Gereiztheit
- Stimmprobleme
8. Wann Lehrercoaching bei Überforderung durch Schüler*innen hilfreich ist
Coaching für Lehrer*innen kann unterstützen, wenn Stress gestaltbar ist.
Coaching hilft z. B. bei:
- Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung
- Analyse: Wann klappt es besser, wann schlechter?
- Ressourcenorientiertem Blick auf Schüler*innen
- Vorbereitung auf Situationen, die Stress verheißen
- Classroom Management als Beziehungsentlastung
- Gestaltung bewusster Räume für Beziehungsarbeit
Lehrercoaching ist sinnvoll, wenn Überforderung durch Schüler*innen im Zusammenspiel von Situation, Haltung und Rahmenbedingungen beeinflussbar ist.

Außerdem kann es helfen, wenn du das Gefühl hast, es liegt nicht an dir, sondern an deiner Schule oder am Schulsystem. Dann lohnt sich auch die Auseinandersetzung mit der Frage, ob du Veränderungen anstoßen kannst – oder ob sich ein Wechsel lohnt.
9. Wann Therapie für Lehrer sinnvoll ist, die durch Schüler*innen überfordert sind
Manche Belastungen gehen tiefer.
Therapie für Lehrer*innen ist sinnvoll, wenn:
- Trigger immer wiederkehren
- Grenzen emotional blockiert sind
- Gefallen-Wollen eng mit Selbstwert verbunden ist
- Angst, Panik oder starke innere Unruhe auftreten
- Stress nicht mehr nur situationsbezogen ist
Hier geht es häufig um alte Verletzungen:
früh gelernte Muster von Anpassung, Verantwortung oder Grenzlosigkeit.

Therapie hilft, diese Dynamiken zu verstehen und innere Grenzen zu klären.
10. Überfordert durch Schüler*innen? Was wichtig ist
Wenn Lehrer*innen überfordert durch Schüler*innen sind, ist das kein persönliches Scheitern.
Es ist Ausdruck eines Berufes, der Beziehungsarbeit unter schwierigen Bedingungen verlangt.
Nicht jede Überforderung braucht Therapie. Aber jede Überforderung verdient Aufmerksamkeit.
Sich Unterstützung zu holen bedeutet nicht, den Lehrerberuf infrage zu stellen.
Es bedeutet, sich selbst ernst zu nehmen und Beziehung nicht auf Kosten der eigenen Gesundheit zu leben.
Du wünschst dir Unterstüzung in diesem Prozess?
Dann schau doch mal auf meiner Website vorbei. Ich biete Coaching und Therapie sowie Gruppenangebote für Lehrer*innen und Referendar*innen an. In Berlin und online.
11. Häufige Gedanken von Lehrer*innen, die sich durch Schüler überfordert fühlen

„Warum fühle ich mich durch meine Schüler*innen überfordert, obwohl ich meinen Job eigentlich gut kann?“

„Warum triggert mich eine bestimmte Klasse oder ein einzelner Schüler so stark?“

„Ist es normal, dass ich genervt oder gereizt auf Schüler*innen reagiere?“

„Muss ich mich auf alle drei Ebenen einlassen – oder können wir auch bei einer bleiben?“

„Wie konkret oder offen ist die gemeinsame Arbeit?“

„Was, wenn ich merke, dass sich mein Thema im Laufe der Sitzungen verändert?“
- Über die Autorin
WER BIN ICH?

Wiebke Heiber
Gründerin TeacherscareIch bin Wiebke Heiber, habe immer wieder als Lehrerin gearbeitet und wollte Schule schon immer verändern. Lange hatte ich das Gefühl, es müsse sich einfach alles ändern. Das fühlte sich so überfordernd an, dass ich lieber gar nichts gemacht habe.
Und ja, Bildung muss endlich höchste Priotität und damit Ressourcen und Wertschätzung auf politischer Ebene erhalten. Und gleichzeitig empfinde ich es als frustrierend nur auf dieser Ebene anzusetzen und auf Änderungen zu warten, während der Schulbetrieb weiter läuft.
Deswegen möchte ich Lehrer*innen dahingehend stärken, dass sie für sich und ihre Werte einstehen. Und vorhandene Gestaltungsräume wahrnehmen, nutzen und vergrößern.




