Grenzen setzen als Lehrer*in – ohne ständig laut werden zu müssen

Sitzungsprotokoll aus meiner Arbeit mit Lehrer*innen

Viele Lehrer*innen kennen diese Situation:

Ein Schüler redet immer wieder dazwischen.
Jemand kommentiert laut oder provokant.
Eltern verhalten sich übergriffig.

Gerade Lehrer*innen im Berufseinstieg fragen sich dann:

Hilfe! Wie setze ich hier eigentlich Grenzen?

Viele Lehrkräfte glauben, dass sie dafür vor allem eines brauchen:
Regeln, Strenge, Maßnahmen.

Das alles ist sicherlich wichtig, um einen Rahmen zu halten. Aber die Grundlage für alles ist die eigene Haltung.

Grenzen im Unterricht sind nicht nur eine Frage von Regeln oder Autorität.
Sie haben viel mit Beziehung, Selbstkontakt und innerer Haltung zu tun.

Darum soll es in diesem Artikel gehen.

Warum Grenzen im Lehrer*innenberuf so schwierig sind

Viele Lehrer*innen gehen mit einem starken Wunsch in den Beruf:
Sie möchten Schüler*innen unterstützen, motivieren, begleiten.

Grenzen setzen fühlt sich dann manchmal widersprüchlich an.

Manche denken:

„Ich möchte nicht ständig die Strenge sein.“
„Ich will eigentlich eine gute Beziehung zu den Schüler*innen haben.“

Andere erleben das Gegenteil.

Sie merken, dass sie immer strenger werden müssen, weil sonst der Unterricht aus dem Ruder läuft.

Beides kann anstrengend sein.

Denn wenn Grenzen entweder zu hart oder zu unsicher gesetzt werden, entsteht häufig eine Dynamik, in der Lehrer*innen sich immer mehr unter Druck fühlen.

Grenzen entstehen nicht nur durch Regeln

In der Schule wird oft über Regeln gesprochen:

  • Klassenregeln
  • Konsequenzen
  • Ordnungsmaßnahmen

All das hilft ganz sicher. Aber viele Konflikte im Unterricht entstehen nicht, weil Regeln fehlen. Sondern weil Schüler*innen spüren, dass etwas in der Beziehung unklar ist.

Schüler testen Grenzen häufig dort, wo sie Unsicherheit wahrnehmen. Das bedeutet nicht, dass Lehrer*innen perfekt sein müssen, oder keine Unsicherheiten haben dürfen.

Aber es bedeutet, dass Grenzen häufig weniger mit Strenge zu tun haben als mit innerer Klarheit.

Lehrer*innen im Seminar. Reflexionsräume, Unterstützung, Sharing.
Lehrer*innen im Seminar. Reflexionsräume, Unterstützung, Sharing.

Was Schüler*innen oft stärker wahrnehmen als Worte

Schüler*innen nehmen im Unterricht sehr genau wahr:

  • ob jemand angespannt ist
  • ob jemand unsicher ist
  • ob jemand innerlich klar ist

Viele Lehrer*innen merken das selbst. Manche Tage laufen erstaunlich ruhig. An anderen Tagen reicht eine Kleinigkeit und die Situation kippt.

Oft hat das weniger mit Methoden zu tun als mit der eigenen inneren Verfassung.

Wenn Lehrer*innen stark unter Druck stehen, überlastet sind oder versuchen, eine Rolle zu spielen, spüren Schüler*innen das sehr schnell.

Grenzen werden dann schwerer durchsetzbar.

Grenzen beginnen häufig im eigenen Körper

In der gestalttherapeutischen Arbeit spielt der Körper eine wichtige Rolle. Und viele Lehrer*innen merken ihre Grenze zuerst körperlich.

Vielleicht kennst du das:

  • ein Druck im Bauch
  • Spannung im Nacken
  • ein Gefühl von Ärger oder Wut
  • der Impuls, plötzlich sehr hart zu reagieren
  • oder im Gegenteil: innerlich einzufrieren

Diese Signale sind oft Hinweise darauf, dass eine Grenze berührt wurde. Der Körper reagiert häufig schneller als der Verstand.

Doch im Unterricht bleibt selten Zeit, diese Signale bewusst wahrzunehmen. Viele Lehrer*innen reagieren dann entweder sehr schnell und hart – oder versuchen, die Situation zu ignorieren.

Beides kann dazu führen, dass die Spannung im Raum weiter wächst. Manchmal hilft es schon, einen kurzen Moment innezuhalten und sich zu fragen:

Was passiert hier gerade eigentlich mit mir?

Allein diese kurze Selbstwahrnehmung kann die eigene Reaktion verändern. Denn in dem Moment entsteht ein kleiner Abstand zwischen Reiz und Reaktion.

Das ist natürlich leichter gesagt, als getan – vor allem im trubeligen Schulalltag. 

Hier eine Übung, mit der du deine Wahrnehmung schärfen und dich vorbereiten kannst.

Eine kleine Übung aus der Körperarbeit

In der Körpertherapie gibt es eine einfache Übung, um die eigene Grenze wieder stärker wahrzunehmen.

Du kannst sie zum Beispiel zuhause ausprobieren.

Stelle dir vor, um dich herum verläuft ein Kreis – dein persönlicher Raum. Du kannst diesen Kreis sogar einmal bewusst mit einem Seil oder Gegenständen auf dem Boden markieren.

Stelle dich in diesen Kreis hinein und spüre:

Wie fühlt es sich an, deinen eigenen Raum einzunehmen?

Vielleicht hilft es, einen einfachen Satz laut zu sagen:

„Das ist mein Raum.“
„Hier ist meine Grenze.“

Beobachte, was dabei in deinem Körper passiert.

Vielleicht spürst du mehr Stabilität.
Vielleicht kommen dabei aber auch starke Gefühle auf – zum Beispiel Wut, Traurigkeit oder Angst.

Auch das kann ein wichtiger Hinweis sein.

Wenn dabei sehr intensive Gefühle auftauchen, ist es sinnvoll, diese Übungen nicht allein zu machen, sondern gemeinsam mit einer Therapeutin oder einem Coach zu betrachten.

Viele Lehrer*innen stellen in meiner Arbeit fest, dass sich ihr Gefühl für Grenzen verändert, wenn sie diese Übung über einige Zeit regelmäßig wiederholen.

Therapeutische Begleitung für Lehrer*innen bei Stress und Überforderung durch Schüler - Thema Grenzen setzen
Die eigenen Grenzen erkennen: Therapie für Lehrer bei Stress und Überforderung durch Schüler

Wut im Unterricht – ein unterschätztes Signal

Viele Lehrer*innen haben gelernt, dass Wut im Unterricht keinen Platz haben darf. Doch Wut ist oft ein Signal dafür, dass eine Grenze überschritten wurde.

Die Frage ist deshalb nicht unbedingt:

„Darf ich wütend sein?“

sondern eher:

„Was sagt mir diese Wut?“

Manchmal weist sie darauf hin, dass eine Situation schon länger ignoriert wurde.
Manchmal darauf, dass etwas im Raum ausgesprochen werden müsste.

Eine Möglichkeit, diese Signale besser zu verstehen, ist eine einfache Schreibübung.

Praxishinweis

Nimm dir zehn Minuten Zeit und schreibe spontan auf:

Was macht mich in der Schule wütend?

Schreibe ohne zu korrigieren.

Vielleicht tauchen dabei Fragen auf wie:

  • Welche Situationen bringen mich immer wieder wütend?
  • Was will mir die Wut sagen?
  • Wo habe ich das Gefühl, dass meine Grenze nicht respektiert wird?

Vielleicht zeigt sich dabei, wo eine Grenze eigentlich schon lange spürbar ist. Wenn Lehrer*innen beginnen, diese Signale ernst zu nehmen, entsteht häufig eine andere Form von Klarheit.

Nicht als Strenge. Sondern als Präsenz.

Grenzen setzen bedeutet nicht zwangsweise, hart zu sein

Viele Schüler*innen reagieren erstaunlich gut auf klare und ruhige Grenzen.

Zum Beispiel:

„Stopp. So sprechen wir hier nicht miteinander.“

oder

„Ich merke gerade, dass mich das ärgert. Wir klären das kurz.“

Solche Sätze wirken oft stärker als lange Diskussionen oder Drohungen.

Nicht weil sie streng sind.

Sondern weil sie klar und präsent sind.

Diese Präsenz entsteht selten nur durch Worte. Sie hat viel mit der eigenen Haltung zu tun.

Viele Lehrer*innen merken zum Beispiel, dass ihr Unterricht ruhiger läuft, wenn sie vorher etwas tun, das sie selbst stärker in Kontakt mit ihrem Körper bringt.

Das kann ganz unterschiedlich aussehen:

  • ein kurzer Spaziergang
  • Sport vor der Schule
  • ein paar Minuten bewusstes Atmen
  • eine kleine Bewegungspause

Solche Momente können helfen, wieder mehr im eigenen Körper anzukommen.

Und genau diese körperliche Präsenz ist oft eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Grenzen im Unterricht überhaupt spürbar werden.

Klarheit lässt sich auch üben

Manche Lehrer*innen merken, dass es ihnen schwer fällt, solche Sätze im Unterricht auszusprechen.

Nicht unbedingt, weil sie nicht wissen, was sie sagen möchten –
sondern weil der Satz im Moment selbst nicht stabil im Körper verankert ist.

Dann kann es hilfreich sein, solche Situationen zunächst außerhalb der Schule zu üben.

Zum Beispiel mit einer Person, der du vertraust.

Du könntest ausprobieren, einen einfachen Satz zu sagen:

„Stopp.“

oder

„So möchte ich nicht angesprochen werden.“

Doch bevor du auf die Wirkung bei der anderen Person schaust, richte deine Aufmerksamkeit zunächst auf dich selbst.

Ein kleines Experiment

Beobachte für einen Moment:

  • Wie stehe ich gerade?
  • Spüre ich meine Füße auf dem Boden?
  • Wie sind meine Schultern – angespannt oder eher locker?
  • Wie klingt meine Stimme?

Manchmal verändert sich der Satz bereits, wenn du deine Haltung leicht veränderst.

Vielleicht stellst du dich etwas stabiler hin.
Vielleicht nimmst du bewusst den Boden unter deinen Füßen wahr.
Vielleicht atmest du einmal ruhig aus.

Und dann sagst du noch einmal:

„Stopp.“

Vielleicht merkst du dabei, dass sich die Wirkung des Satzes verändert, wenn er stärker aus dem Körper heraus gesprochen wird.

Du kannst auch mit verschiedenen Formen experimentieren:

  • „Stopp“ nur mit der Stimme
  • „Stopp“ mit einer Handbewegung
  • „Stopp“ mit ruhigem Blickkontakt

Beobachte dabei zwei Dinge:

Wie fühlt es sich für dich an?
und
Was passiert bei der anderen Person? Kommt es an?

Manchmal wird dabei deutlich, dass ein Satz nicht deshalb „nicht funktioniert“, weil die Worte falsch sind –
sondern weil die eigene Haltung noch unsicher ist.

Solche kleinen Experimente können helfen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie Grenzen sich im eigenen Körper, in der Stimme und in der Haltung anfühlen.

Genau mit solchen Erfahrungen arbeiten viele Lehrer*innen auch in meiner Arbeit. Statt nur über Situationen zu sprechen, geht es dort oft darum, Dinge konkret auszuprobieren, wahrzunehmen und im eigenen Körper zu verankern – inspiriert von Gestalttherapie und körperorientierter Arbeit.

Coaching für Lehrer Berlin - Hilfe und Unterstützung für Lehrer - Grenzen setzen
Sitzungsprotokoll -Coaching für Lehrer
Coaching für Lehrer Berlin - Hilfe und Unterstützung für Lehrer - Grenzen
Sitzungsprotokoll -Coaching für Lehrer

Wenn dich interessiert, was typische Situationen sind, in denen Lehrer*innen sich Unterstützung suchen, schau dir meinen Blogartikel dazu an.

Beziehung und Grenze gehören zusammen

Eine häufige Sorge von Lehrer*innen ist:

„Wenn ich zu streng bin, schade ich der Beziehung.“

Doch paradoxerweise kann auch das Gegenteil passieren.

Wenn Grenzen dauerhaft unklar bleiben, entsteht bei vielen Schüler*innen ebenfalls Unsicherheit.

Eine Beziehung braucht beides:

  • Offenheit
  • und Klarheit

Grenzen sind deshalb auch ein Teil von Beziehung.

Sie zeigen, wo Verantwortung liegt und was im gemeinsamen Raum möglich ist und was eben nicht.

Wo Lehrer*innen überall Grenzen setzen müssen

Wenn von Grenzen im Lehrer*innenberuf die Rede ist, denken viele zuerst an den Unterricht.

An störende Schüler*innen.
An Lautstärke.
An Situationen, in denen jemand Regeln überschreitet.

Doch im Schulalltag entstehen Grenzen an vielen verschiedenen Stellen.

Nicht nur im Klassenzimmer.

Viele Lehrer*innen merken im Laufe der Zeit, dass ein großer Teil ihrer Belastung gar nicht aus einer einzelnen Situation kommt, sondern daraus, dass sie an vielen Stellen gleichzeitig über ihre eigenen Grenzen gehen.

Grenzen können deshalb auf unterschiedlichen Ebenen entstehen. Und vielleicht fällt es dir an manchen Stellen leichter, als an anderen und du bekommst dafür mehr Energie für andere Baustellen.

Grenzen gegenüber Schüler*innen

Im Unterricht sind Grenzen am sichtbarsten.

Es geht darum, den gemeinsamen Raum zu schützen:

den Unterricht,
die Aufmerksamkeit der Gruppe,
den respektvollen Umgang miteinander.

Doch Grenzen entstehen nicht nur durch Regeln oder Konsequenzen.

Sie entstehen auch dort, wo Lehrer*innen deutlich machen:

  • wie miteinander gesprochen wird
  • wann etwas zu weit geht
  • und wann ein Moment innehalten muss.

Grenzen gegenüber Eltern

Auch Gespräche mit Eltern können herausfordernd sein.

Manche Lehrer*innen erleben Eltern, die sehr hohe Erwartungen haben oder Verantwortung stark an die Schule delegieren.

Hier kann es wichtig werden, die eigene Rolle klar zu halten.

Zum Beispiel:

  • Verantwortung für den Unterricht übernehmen
  • aber nicht für jede Entscheidung im Leben eines Kindes
  • Gesprächsbereitschaft zeigen, ohne sich in Rechtfertigungen zu verlieren.

Grenzen gegenüber der eigenen Arbeitsbelastung

Viele Lehrer*innen setzen wenig Grenzen gegenüber ihrer Arbeit.

Nicht, weil sie das nicht möchten.

Sondern weil der Lehrer*innenberuf viele offene Enden hat:

  • Unterrichtsvorbereitung
  • Korrekturen
  • Gespräche
  • Projekte
  • organisatorische Aufgaben.

Eigentlich gibt es immer noch was zu tun. Und dazu kommt, dass es oft keine klare Trennung zwischen Privatem und Arbeitsplatz gibt.

Eine wichtige Grenze entsteht deshalb oft an einer anderen Stelle:

bei der eigenen Entscheidung, wann Arbeit endet.

Grenzen gegenüber Schulleitung oder System

Eine besonders schwierige Ebene sind strukturelle Erwartungen.

Viele Lehrer*innen erleben Anforderungen aus verschiedenen Richtungen gleichzeitig.

Hier entstehen Fragen wie:

  • Was kann ich realistisch leisten?
  • Wo beginne ich, mich zu überfordern?
  • Und was passiert, wenn ich eine Grenze setze?

Hier besteht auch häufig das Gefühl von Ohnmacht – der Wahrnehmung, der Schulleitung oder dem System ausgeliefert zu sein.

Grenzen gegenüber sich selbst

Dann wären da natürlich auch noch –

die eigenen Ansprüche.

Viele Lehrer*innen haben sehr hohe Erwartungen an sich selbst.

  • Unterricht soll gut sein
  • Schüler*innen sollen sich gesehen fühlen
  • Konflikte sollen gelöst werden.

Diese Haltung entsteht aus Engagement.

Doch wenn diese Ansprüche dauerhaft zu hoch werden, geraten Lehrer*innen leicht in Selbstüberforderung.

Wenn du deine Situation strukturiert klären möchtest, findest du hier Informationen zu meinem Coaching für Lehrer*innen:

Drei typische Situationen, in denen Lehrer*innen ihre Grenze zu spät setzen

Viele Lehrer*innen merken erst im Nachhinein, dass sie ihre Grenze eigentlich schon früher gespürt haben.

Wenn kleine Störungen immer größer werden

Eine Situation nervt einfach nur ein bisschen.

Ein Schüler kommentiert regelmäßig, oder macht dich nach.
Eine Gruppe arbeitet nicht mit.

Viele versuchen zunächst, darüber hinwegzusehen.

Doch wenn solche Momente sich wiederholen, wächst langsam die Spannung.

Die Grenze war vielleicht schon früh spürbar –
aber sie wurde nicht ausgesprochen.

Wenn Eltern grenzüberschreitend agieren

Ich habe schon die wildesten Geschichten gehört:

Von Eltern, die einfach in den Unterricht platzen und einen Schüler zusammenstauchen.
Über endlose Forderungen und Diskussionen bei der Planung einer Klassenfahrt.

Bis zu Eltern, die genau zu wissen meinen, wie Unterricht eigentlich besser laufen sollte.

Die meisten Lehrer*innen kennen solche Situationen. Und häufig fällt hier die Grenzsetzung besonders schwer.

Für Eltern geht es bei ihren Kindern – auch verständlicherweise – oft um sehr viel. Emotionen sind schnell im Spiel. Sorgen, Erwartungen oder auch eigene Schulerfahrungen.

Gerade in solchen Situationen kann es hilfreich sein, sich innerlich einen Moment vorzubereiten.

Vielleicht hilft es dir hier, dir die die Situation vorher kurz vorzustellen.

Den Raum.
Die Eltern.

Dich selbst.
Die Situation.

Versuche wirklich die einzelnen Personen wahrzunehmen. 

Und dann ein paar Fragen nach innen zu richten:

Wie geht es den Eltern gerade?
Was könnte ihnen wichtig sein?

Und gleichzeitig:

Wie geht es mir gerade?
Was brauche ich in diesem Gespräch?
Was ist eigentlich mein Standpunkt?

Dadurch kann Folgendes passieren:

Die eigene Position wird klarer.
Der Körper ruhiger.

Und damit auch die Art, wie man im Gespräch präsent ist.

Wenn äußere Begrenzungen fehlen

Viele Lehrer*innen arbeiten bis in den späten Abend hinein. Einfach weil es immer noch etwas zu tun gibt. Oder immer noch etwas besser gemacht werden kann.

Sie gehen dann direkt vom Schreibtisch ins Bett. Und weil der Abstand fehlt, arbeitet der Kopf sogar in der Nacht weiter.

Am nächsten Tag fehlt dann Energie und schnell entsteht ein Teufelskreis.

Wenn du dich hier wiedererkennst, lohnt sich vielleicht ein kurzer Moment der Selbstbeobachtung:

Wann endet mein Arbeitstag eigentlich?

Im Lehrer*innenberuf gibt es oft kaum äußere Grenzen. Der Unterricht ist vorbei aber die Arbeit nicht.

Lehrer*innen müssen sich ihre Begrenzung deshalb auch bewusst selbst setzen.

Eine Möglichkeit kann sein, Aufgaben einmal danach zu sortieren:

  • Was ist wirklich dringend?
  • Was ist (mir!) wichtig, aber nicht dringend? (Z.B. Entspannung am Abend?)
  • Was kann warten?

Diese einfache Unterscheidung ist auch als Eisenhower-Matrix bekannt und kann helfen, wieder etwas mehr Überblick zu bekommen. Besonders wichtig ist es hier, den Dingen, die dir selbst wichtig sind eine gleiche Priorität einzuräumen, wie den anderen.

Du liebst es Yoga zu machen, um runter zu kommen und Energie zu tanken? Dann hilft es zum Beispiel, dafür genauso feste Zeiten im Kalender einzutragen, wie für andere Sachen.

Oft steckt hinter dieser Dynamik noch etwas anderes.

Viele Lehrer*innen haben einen sehr hohen Anspruch an sich selbst. Sie möchten Unterricht gut machen, Schüler*innen gerecht werden und geben deshalb immer noch ein bisschen mehr.

Wenn du merkst, dass dich dieser Anspruch häufig über deine Grenzen bringt, könnte auch dieser Artikel interessant für dich sein:

Warum Grenzen engagierten Lehrer*innen besonders schwer fallen

Diese Behauptung ist nicht evidenzbasiert. Aber in meiner Arbeit kann ich beobachten, dass gerade engagierte Lehrer*innen Schwierigkeiten mit Grenzen haben.

Viele Eigenschaften, die diesen Beruf tragen, können dazu führen, dass eigene Grenzen lange übergangen werden.

Der Wunsch, Schüler*innen zu unterstützen

Viele Lehrer*innen möchten ihre Schüler*innen wirklich begleiten.

Dieser Wunsch ist sicherlich eine wichtige Voraussetzung für den Beruf. 

Doch manchmal führt er dazu, dass Lehrer*innen länger durchhalten, als ihnen eigentlich gut tut. Weil sie das Gefühl haben Schüler*innen sonst im Stich zu lassen, sie retten zu müssen oder versuchen Schieflagen im System auszubügeln.

Hohe Ansprüche an sich selbst

Der Lehrer*innenberuf bringt viele Erwartungen mit sich.

Nicht nur von außen, sondern auch von innen.

Viele möchten ihren Unterricht gut machen und für ihre Klassen da sein.

Diese Haltung ist sicherlich wertvoll.

Doch sie kann es auch schwer machen, sich selbst Grenzen zu erlauben.

Verantwortung für viele Menschen gleichzeitig

Im Unterricht tragen Lehrer*innen Verantwortung für eine ganze Gruppe.

In solchen Situationen wirkt es manchmal einfacher, die eigene Grenze zurückzustellen, um den Raum zu halten.

Doch auch diese Arbeit braucht Orte, an denen Lehrer*innen ihre eigenen Grenzen wahrnehmen dürfen.

Engagement in einem maroden System

Viele Lehrer*innen wollen sich nicht mit dem Status Quo im deutschen Schulsystem zufriedengeben. Sie versuchen irgendwie selbst aufzufangen, was alles schiefläuft. Auch hier lohnt es sich zu schauen, wo setze ich Grenzen und wo setze ich dafür bewusst meine Energie ein.

Grenzen setzen bedeutet nicht, weniger engagiert zu sein

Manche Lehrer*innen befürchten, dass Grenzen zu setzen bedeutet, weniger engagiert zu sein.

In der Praxis zeigt sich häufig etwas anderes.

Wenn Lehrer*innen beginnen, ihre eigenen Grenzen ernst zu nehmen, verändert sich oft auch ihre Präsenz im Unterricht und ihr Fokus in der Arbeit. Es wird nicht mehr zu allem ja gesagt, sondern bewusster gewählt, wozu sage ich ja und wozu nein.

Es kann mehr Ruhe entstehen.
Klarheit.
Vielleicht auch mehr Entspannung.

Einfach weil sie nicht mehr versuchen müssen, alles gleichzeitig zu tragen.

Grenzen setzen ohne sich selbst zu verlieren

Der Lehrer*innenberuf ist ein Beziehungsberuf. Das wissen wir alle 🙂

Das macht ihn für viele Menschen erfüllend und gleichzeitig anspruchsvoll.

Grenzen zu setzen gehört dazu.

Doch diese Grenzen müssen nicht bedeuten, ständig streng zu sein oder eine Rolle zu spielen.

Manchmal entstehen sie genau dort, wo Lehrer*innen anfangen, sich selbst wieder stärker wahrzunehmen:

mit ihren Reaktionen,
ihren Gefühlen
und ihren eigenen Grenzen.

Von dort aus können Grenzen entstehen, die nicht aus Druck kommen.

Sondern aus Klarheit.

Das Thema Grenzen ist ein wiederkehrender Bestandteil meiner Arbeit mit Lehrer*innen.

Manche Fragen zeigen sich besonders deutlich in der Einzelarbeit.
Andere werden im Austausch mit anderen Lehrer*innen sichtbar.

Beide Formen haben ihre eigene Qualität.

Im Teachers’Room verbinde ich deshalb Einzelarbeit und Gruppenarbeit miteinander.

Wiederkehrende Fragen

Eine Illustration mit einem großen Fragezeichen steht sinnbildlich für die Unsicherheit vieler Lehrer*innen: Kann ich Coaching oder Fortbildungen steuerlich absetzen? Themen wie Werbungskosten, Steuerberatung und Steuererklärung werden visuell angedeutet.

Wie kann ich als Lehrer*in Grenzen setzen, ohne ständig streng zu sein?


Eine illustrative Darstellung mit einem großen Fragezeichen symbolisiert Unsicherheit oder offene Fragen zur Kostenübernahme bei Coaching oder Therapie für Lehrer*innen. Die Illustration verweist auf Themen wie Krankenkasse, Beihilfe, Versicherung und Rückerstattung.

Was kann ich tun, wenn Schüler meine Grenzen nicht ernst nehmen?



Wann kann Coaching für Lehrer*innen beim Thema Grenzen helfen?


  • Über die Autorin

    WER BIN ICH?

    Ich bin Wiebke Heiber

    Ich kenne Schule von innen.

    Ich arbeite als Coach und Therapeutin (Heilpraktikerin für Psychotherapie) mit Lehrer*innen in Berlin und online.

    Wiebke Heiber, Gründerin von teacherscare, Coach und Therapeutin für Lehrer*innen in Berlin und online.

    Ich glaube daran, dass Veränderung im System Schule auch dort beginnt, wo Lehrer*innen sich selbst ernst nehmen.

    Mit ihren Gefühlen.

    Mir ihren Grenzen.

    Mit ihren Stärken.


    Meine Arbeit unterstützt Lehrer*innen dabei, ihre Selbstbestimmung zurückzuerobern und ihre Gestaltungskraft zu leben.

    In der Klasse.

    Im Kollegium.

    Im System Schule.


    Wiebke Heiber, Gründerin von teacherscare, Coach und Therapeutin für Lehrer*innen in Berlin, Neukölln.

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