„Eigentlich stehe ich total zu meinen Ansichten. Aber bin ich ja doch das Problem.“
Diese Unsicherheit beschreiben viele – vor allem, wenn sie noch im Berufseinstieg sind.
Sie sind hoch engagiert, reflektiert — und gleichzeitig unsicher, wie sie einordnen sollen, was gerade nicht funktioniert:
Liegt es an mir?
An der Schule?
Am System?
Und oft erfahren sie: Es ist kein „entweder oder“.
Coaching wird in solchen Momenten zu einem Ort, an dem Dinge angeschaut, ausgesprochen und sortiert werden und an dem neue Erfahrungen gemacht werden dürfen.
In meiner Arbeit mit Lehrkräften zeigen sich immer wieder ähnliche Situationen, in denen ich Coaching als sehr sinnvoll wahrgenommen habe.
Inhaltsverzeichnis
1. „Soll ich an dieser Schule bleiben?“ – Orientierung statt Grübelschleifen
Gerade im Berufseinstieg haben viele Lehrkräfte nur wenige Schulen erlebt. Gleichzeitig ist der erste Arbeitsplatz oft prägend. Wenn etwas nicht gut läuft, entstehen schnell Selbstzweifel.
Viele fragen sich:
Bin ich zu empfindlich?
Mache ich etwas falsch?
Oder passt die Schule einfach nicht zu mir?
Oft vermischen sich verschiedene Ebenen:
- persönliche Unsicherheit,
- Beziehungskonflikte,
- strukturelle Probleme im System Schule.
Alleine lässt sich das schwer auseinanderklamüsern. Die Folge: Verunsicherung, endloses Grübeln und Entscheidungsunfähigkeit.


Im Coaching geht es darum, diese Ebenen zu sortieren — ohne vorschnell Schuld bei dir oder beim System zu suchen. Gemeinsam schauen wir auf konkrete Situationen, Dynamiken und Handlungsspielräume. Ziel muss gar nicht die perfekte Entscheidung sein, sondern eine, die sich für dich klar und getragen anfühlt.


2. Angst vor Schule oder Unterricht – ein Nachklang des Referendariats
Ein Thema, das häufiger vorkommt, als viele vielleicht denken: Angst vor bestimmten Situationen in der Schule.
Viele Lehrkräfte kommen aus dem Referendariat mit einem Gefühl permanenter Bewertung. Sie haben gelernt zu funktionieren, Erwartungen zu erfüllen, Kritik auszuhalten. Danach ist bei vielen das Selbstvertrauen im Keller.
Typische Erfahrungen:
- Angst vor Unterricht oder bestimmten Klassen,
- starke Selbstkritik,
- geringes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten,
- wenig Kontakt zu eigenen Bedürfnissen.
Im Coaching geht es hier oft zuerst darum, Ressourcen wieder sichtbar zu machen.
Was sind eigentlich deine Stärken?
Wann lief Unterricht bereits gut?
Womit fühlst du dich wohl?
Wer oder was kann dich unterstützen?
Was im Referendariat offensichtlich bei vielen zu kurz kommt: ein Raum, in dem du nicht bewertet wirst.
3. Ideen und Visionen bleiben stecken
Viele Lehrkräfte kommen mit Tatendrang und Ideen in die Schule: neue Unterrichtsansätze, Projekte, andere Formen von Beziehungsgestaltung.
Und dann verschwinden diese Ansätze nach und nach im Schulalltag.
Weil sie sich zu groß, unrealistisch oder zu überwältigend anfühlen.
Der Schulalltag ist voll, die Energie begrenzt und jeder Einsatz auf dieser Ebene erscheint einfach undenkbar.
Im Coaching geht es hier oft zuerst darum, wieder Zugang zu den eigenen Ideen zu bekommen:
Was sind eigentlich deine Vorstellungen?
Was liegt gerade in deiner Handlungsmacht?
Wie kannst du klein, aber konkret anfangen?


Viele erleben allein dadurch wieder Bewegung und neue Energie. Aus „Ich müsste eigentlich…“ werden konkrete Handlungsschritte. Das kann unglaublich viel Energie freisetzen – denn hier liegen die Gründe, warum sie für diesen Beruf brennen.
4. Sein Standing im System Schule finden
Ein anderes Thema beginnt dort, wo Ideen nicht nur innerlich feststecken, sondern auf äußere Strukturen treffen.
Viele engagierte Lehrkräfte erleben:
- wenig Resonanz auf neue Impulse,
- Kolleg*innen, die resigniert sind,
- Widerstände oder subtilen Gegenwind.



Hier geht es weniger um die Idee selbst — sondern um die Frage:
Wie positioniere ich mich im System?
Wie bleibe ich handlungsfähig?
Wo lohnt es sich gerade, Energie zu investieren? Und welche Möglichkeiten nehme ich eigentlich wahr?
Häufig hat dieses Thema auch Grenzen setzen zu tun – was ein weiteres Thema ist.
5. Beziehung und Grenzen – das Fundament nachhaltiger Arbeit
Schule ist Beziehungsarbeit. Und Beziehung braucht Grenzen.
Viele Lehrkräfte haben im Referendariat gelernt, eigene Bedürfnisse zurückzustellen. Dieses Muster bleibt oft bestehen:
- zusätzliche Aufgaben übernehmen,
- schwer Nein sagen können,
- Zu viel Verantwortung übernehmen
Wie gut wir Grenzen wahrnehmen und halten können, hängt oft auch mit früheren Erfahrungen zusammen – häufig auch aus der Kindheit.
Im Coaching entsteht ein geschützter Raum, in dem du deinen eigenen Raum wieder wahrnehmen kannst. Wir experimentieren gemeinsam:
Was verändert sich, wenn du Grenzen setzt?
Wie reagieren andere?
Wie fühlt sich das für dich an?


Viele dieser Themen begegnen mir regelmäßig in der Arbeit mit Lehrkräften. Wenn du einen Überblick über weitere typische Anliegen und Schwerpunkte aus Coaching und Therapie mit Lehrer*innen bekommen möchtest, findest du hier eine ausführlichere Übersicht:
Struktur, Organisation und Selbstfürsorge im Schulalltag
Viele Themen hängen eng mit der Frage zusammen: Wie schaffe ich mir Strukturen, die mich tragen statt erschöpfen?
- Wie plane ich Pausen wirklich ein?
- Wie organisiere ich mich, ohne ständig über meine Grenzen zu gehen?
- Wie kann Selbstfürsorge im Schulalltag realistisch aussehen?
Ist mein Thema überhaupt groß genug für Coaching?
Diese Frage fragen sich fast alle, die noch nie Unterstützung in Anspruch genommen haben.
Ist das nicht zu banal?
Andere schaffen das doch auch so.
Darf ich dafür Coaching nutzen?
Ist das nicht Luxus?
Diese Zweifel kenne ich selbst — bevor ich das erste Mal eine Sitzung genommen habe.
Nach vielen genommenen und gegebenen Sitzungen bin ich überzeugt davon: Jedes Thema ist groß genug, wenn es dich beschäftigt.
Coaching bedeutet nicht, dass etwas „schlimm genug“ sein muss. Es bedeutet, einen Raum zu haben, in dem etwas betrachtet werden darf.
Und weil Schule nie losgelöst vom restlichen Leben funktioniert, dürfen und sollten natürlich auch private Themen mit einbezogen werden. Wer in der Schule Schwierigkeiten hat, Grenzen zu setzen, erlebt ähnliche Dynamiken oft auch außerhalb. Wer Stress zu Hause hat, wird den mit in die Arbeit nehmen.
Viele Lehrkräfte kommen erst ins Coaching, wenn sie das Gefühl haben, dass sie jetzt entweder etwas ändern oder aus dem Beruf aussteigen müssen. Das ist oft Ausdruck von einem hohen Anspruch an sich selbst und den Beruf.
In meiner Erfahrung entsteht Veränderung selten durch noch mehr Anstrengung oder neue Methoden. Sondern durch einen Raum, in dem Gedanken sortiert werden dürfen, Perspektiven sichtbar werden und neue Erfahrungen möglich sind.
Manchmal beginnt das einfach damit, sich zu erlauben, nicht alles alleine tragen zu müssen.
- Über die Autorin
WER BIN ICH?
Ich bin Wiebke Heiber
Ich kenne Schule von innen.
Ich arbeite als Coach und Therapeutin (Heilpraktikerin für Psychotherapie) mit Lehrer*innen in Berlin und online.

Ich glaube daran, dass Veränderung im System Schule auch dort beginnt, wo Lehrer*innen sich selbst ernst nehmen.
Mit ihren Gefühlen.
Mir ihren Grenzen.
Mit ihren Stärken.
Meine Arbeit unterstützt Lehrer*innen dabei, ihre Selbstbestimmung zurückzuerobern und ihre Gestaltungskraft zu leben.
In der Klasse.
Im Kollegium.
Im System Schule.




