Als Lehrer Kündigen oder bleiben? 5 Schritte, um die Entscheidung zu treffen

Viele Lehrer*innen, die über Überlastung oder einen Berufswechsel nachdenken, stehen irgendwann vor der Frage: Soll ich als Lehrer kündigen oder bleiben? Die Entscheidung, den Beruf als Lehrer*in aufzugeben, ist nicht einfach. Sie geht oft einher mit vielen inneren Konflikten – zwischen dem, was das Herz fühlt, dem, was der Kopf sagt, und dem, was das Bauchgefühl einem einflüstert.

Denkst du als Lehrer*in darüber nach, zu kündigen? Du bist nicht allein! Fast 1000 Lehrerinnen haben im vergangenen Schuljahr (2023-2024) in Berlin ihre Anstellung aufgegeben – ein Verlust, der die Schulen weiter unter Druck setzt und wahrscheinlich nochmal mehr Lehrer*innen dazu bringt, über ihre berufliche Zukunft nachzudenken. Quelle: Tagesspiegel, SenBJF

Dieser Artikel ist eine Einladung, dir Zeit zu nehmen und genauer hinzuhören:

auf dein Herz,
auf deinen Verstand
und auf dein Bauchgefühl.

Bevor du dich entscheidest: Es gibt mehr Möglichkeiten als nur „kündigen oder bleiben“

Wenn Lehrer*innen anfangen zu zweifeln, wirkt die Situation oft wie eine binäre Entscheidung:

Bleiben – oder gehen.

Doch häufig gibt es Zwischenräume.

Manche Lehrer*innen stellen fest, dass bereits ein Schulwechsel viel verändern kann. Andere entscheiden sich vorübergehend für eine Reduzierung der Stunden, um wieder Luft zu bekommen. Wieder andere suchen sich Unterstützung durch Coaching, Therapie oder Supervision, um ihre eigene Position im System Schule neu zu klären.

Es geht dabei nicht darum, den Beruf um jeden Preis zu retten.

Aber manchmal zeigt sich erst, wenn der Druck etwas nachlässt, was wirklich möglich ist.

Die Frage verändert sich dann langsam von

„Soll ich gehen?“

zu

„Was würde mir helfen, hier wieder gut arbeiten zu können?“

1. Erkenne deine innere Zerrissenheit an

Warum der Lehrer*innenberuf so stark mit Identität verknüpft ist

Für viele Lehrer*innen bedeutet der Beruf mehr als nur eine Arbeitsstelle – er ist eine Berufung, eine Leidenschaft, eine Mission. Gleichzeitig sind die Herausforderungen groß: steigende Arbeitsbelastung, zunehmender Leistungsdruck, Personalmangel, und eine oft fehlende Wertschätzung. Da liegt die Frage „Kündigen oder bleiben?“ nahe.

Herz, Kopf und Bauch – drei Stimmen, die dich in unterschiedliche Richtungen ziehen

Es ist nicht ungewöhnlich, dass diese Entscheidung von widersprüchlichen Gefühlen begleitet wird. Dein Herz sagt vielleicht: „Bleib, du liebst die Arbeit mit den Schüler*innen!“ Während dein Kopf nüchtern argumentiert: „Die Belastung ist zu hoch, du musst an deine Gesundheit denken.“ Und dein Bauchgefühl? Vielleicht spürst du dort Wut über die Zustände, eine tiefe Unzufriedenheit oder sogar Angst vor dem Ungewissen.

2. Finde einen ruhigen Moment und höre auf dein Herz

Wenn du dich als Lehrer*in fragst, ob du aus dem Lehrerberuf aussteigen oder die Schule wechseln solltest, könnte dir folgende Übung helfen. Sie gibt dir die Möglichkeit, in dich hineinzuhorchen und die drei inneren Stimmen – Herz, Kopf und Bauch – zu erforschen und zu verstehen.

Als Lehrer kündigen oder bleiben? llustration eines Herzens – steht für die emotionale Seite und Leidenschaft von Lehrer*innen, die zwischen Engagement und Erschöpfung schwanken.
Fragst du dich, ob du als Lehrer kündigen möchtest? Coaching und Therapie für Lehrer können helfen.

Einfache Übung für mehr Klarheit im Entscheidungsprozess

Schaffe dir einen ruhigen Raum: Finde einen Moment der Stille, an dem du ungestört bist. Setze dich bequem hin, schließe die Augen und atme tief ein und aus.

Was dein Herz dir sagen möchte – Verbindung zu Sinn und Leidenschaft

Höre auf dein Herz: Was fühlst du tief in dir? Möchte dein Herz, dass du als Lehrer*in bleibst, weil es die Leidenschaft für den Beruf nährt? Fühlst du Erfüllung in der Arbeit mit den Schüler*innen, beim Unterrichten und Inspirieren? Oder sagt dein Herz, dass es Zeit ist, die Schule zu wechseln oder ganz neue Wege zu gehen, um dich als Mensch und als Fachkraft weiterzuentwickeln?

3. Höre auf deinen Verstand und sei rational

Aus dem Lehrerberuf aussteigen? Illustration eines Kopfes – steht für Rationalität, Gedanken und den Versuch, kluge Entscheidungen im Lehrer*innenberuf zu treffen.
Aus dem Lehrerberuf aussteigen? Coaching und Therapie können bei der Entscheidung helfen.

Was spricht rational für oder gegen den Lehrer*innenberuf?

Viele überlegen an diesem Punkt auch, ob sie langfristig im Lehrerberuf bleiben möchten oder ob es für sie stimmig wäre, aus dem Lehrerberuf auszusteigen. Achte auf deinen Kopf: Was sagt dein Verstand? Welche rationalen Überlegungen kommen auf? Gibt es logische Gründe, als Lehrer*in zu bleiben oder zu kündigen? Vielleicht denkst du an die finanzielle Sicherheit, an die Vorteile eines sicheren Arbeitsplatzes oder an die Möglichkeit, in einem anderen Umfeld etwas Neues zu beginnen. Was sind die Fakten, die für dich wichtig sind?

Gedanken sortieren

Reflektiere: Was möchtest du vielleicht nicht wahrhaben? Welcher Gedanke überrascht dich? Welcher nervt dich?

4. Achte auf dein Bauchgefühl und vertraue deiner Intuition

Schule wechseln oder als Lehrer einen Karrierewechsel vollziehen? Illustration eines Bauches – steht für Intuition, Vertrauen und die körperliche Ebene, die Lehrer*innen im Stress oft überhören.
Als Lehrer Schule wechseln? Coaching oder Therapie können bei der Entscheidung helfen.

Dein Bauch als Kompass

Lausche deinem Bauchgefühl: Was sagt dein Bauch? Spürst du instinktiv Vertrauen, dass alles gut werden wird, egal was du tust? Oder fühlst du Unsicherheit, Angst oder vielleicht Wut über die Umstände, in denen du arbeitest? Gibt es eine innere Stimme, die dir sagt, dass es jetzt der richtige Moment ist, eine Veränderung herbeizuführen?

Bauchgefühl sortieren

Reflektiere: Notiere die Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühle, die in deinem Bauch aufkommen. Gibt es eine Stimme, die besonders hervorsticht? Welche innere Stimme ist am lautesten und prägt deine Entscheidung?

5. Notiere deine Gedanken und reflektiere – Vermittlung zwischen den inneren Stimmen

Wie du Herz, Kopf und Bauch ins Gespräch bringst

Nachdem du dir Zeit genommen hast, auf Herz, Kopf und Bauch zu hören, versuche, zwischen diesen inneren Stimmen zu vermitteln. Frage dich:

Was könnte dir helfen, Herz, Kopf und Bauch in Einklang zu bringen? Wer braucht was von den anderen?

Kleine Schritte zu einer Entscheidung, die sich stimmig anfühlt

Gibt es Wege, wie du als Lehrer*in in deinem aktuellen Beruf bleiben könntest, aber trotzdem eine Veränderung herbeiführen kannst? Zum Beispiel durch eine Reduzierung der Arbeitszeit, eine Fortbildung oder einen Wechsel innerhalb des Schulsystems?

Welche Schritte kannst du unternehmen, um eine Entscheidung zu treffen, die dich als Mensch und als Lehrer*in ganzheitlich stärkt?

Es geht nicht darum, eine schnelle Entscheidung zu treffen, sondern eine, die sich richtig und stimmig anfühlt. Vielleicht findest du dabei heraus, dass du als Lehrer*in bleiben möchtest, weil du trotz aller Herausforderungen eine tiefe Erfüllung in deinem Beruf empfindest. Oder vielleicht merkst du, dass es Zeit ist, zu kündigen und dich auf neue Abenteuer einzulassen.

Schlussgedanken: Lehrerberuf aufgeben oder bleiben?

Die Entscheidung, zu kündigen oder zu bleiben, ist eine zutiefst persönliche. Sie betrifft nicht nur deinen Beruf, sondern dein gesamtes Leben. Es geht darum, eine Wahl zu treffen, die dich als Lehrer*in stärkt und dich auf deinem Weg unterstützt.

Eine Entscheidung, die nicht von heute auf morgen fallen muss

Nimm dir die Zeit, die du brauchst, um in dich hineinzuhorchen und herauszufinden, was für dich das Richtige ist. Ob du bleibst oder kündigst – achte darauf, dass deine Entscheidung aus einem Ort der Klarheit kommt. Manchmal sind es genau diese inneren Stimmen, die uns den Weg zeigen, wenn wir ihnen aufmerksam zuhören.

Egal wie deine Entscheidung ausfällt: Du bist nicht allein. Viele Lehrer*innen stehen vor derselben Frage: Kündigen oder bleiben? Finde deinen eigenen Weg, der sich für dich stimmig anfühlt.

Manchmal ist aber auch die Frage nicht „Soll ich gehen?“, sondern:

„Wie kann ich bleiben, ohne mich selbst zu verlieren?“

Genau an dieser Stelle setzt die Arbeit im Teachers’Room an. Statt schnelle Lösungen zu suchen, entsteht dort ein Raum, in dem du deine innere Position im System Schule langsam klären kannst – über Beziehung, Austausch, körperorientierte Wahrnehmung und gemeinsames Reflektieren. Nicht mit dem Ziel, dich anzupassen oder zu optimieren, sondern um herauszufinden, was für dich wirklich stimmig ist.

  • Über die Autorin

    WER BIN ICH?

    Ich bin Wiebke Heiber

    Ich kenne Schule von innen.

    Ich arbeite als Coach und Therapeutin (Heilpraktikerin für Psychotherapie) mit Lehrer*innen in Berlin und online.

    Wiebke Heiber, Gründerin von teacherscare, Coach und Therapeutin für Lehrer*innen in Berlin und online.

    Ich glaube daran, dass Veränderung im System Schule auch dort beginnt, wo Lehrer*innen sich selbst ernst nehmen.

    Mit ihren Gefühlen.

    Mir ihren Grenzen.

    Mit ihren Stärken.


    Meine Arbeit unterstützt Lehrer*innen dabei, ihre Selbstbestimmung zurückzuerobern und ihre Gestaltungskraft zu leben.

    In der Klasse.

    Im Kollegium.

    Im System Schule.


    Wiebke Heiber, Gründerin von teacherscare, Coach und Therapeutin für Lehrer*innen in Berlin, Neukölln.

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