Für Lehrer*innen ist Unterricht nur ein kleiner Ausschnitt ihres Berufs. Sie sind Beziehungsgestalter*innen, Krisenmanager*innen, Organisator*innen und Vermittler*innen – und müssen gleichzeitig gesellschaftliche und politische Schieflagen auffangen. Viele starten mit großen Idealen. Aber irgendwo zwischen Referendariat, Vollzeitbelastung und struktureller Überforderung verlieren sie den Kontakt zu sich selbst.
Pädagog(*)innen müssen, um unter diesen Umständen zu funktionieren, ihre Selbstwahrnehmung abschalten.
– Dr. phil. Michael Mehrgardt
Damit beginnt der Kern des Problems: Denn wer sich selbst nicht mehr wahrnimmt, ist weniger beziehungsfähig, resilient und leichter körperlich angeschlagen.
Inhaltsverzeichnis
1. Wenn Selbstwahrnehmung verloren geht
Reizüberflutung zwingt viele in den Überlebensmodus
Lehrkräfte arbeiten täglich in permanenter sensorischer Überstimulation: Lärm, ständige Ansprechbarkeit, Unterbrechungen, hohe Taktung.
Um überhaupt funktionsfähig zu bleiben, schalten viele ihre Selbstwahrnehmung ab. Ein Schutzmechanismus, der langfristig teuer wird. (Dr. phil. Michael Mehrgardt)
Wenn Selbstwahrnehmung verlorengeht:
- Bedürfnisse werden nicht mehr wahrgenommen
- Grenzen verschwimmen
- Emotionen werden weggedrückt
- Der Körper meldet sich irgendwann mit Erschöpfung oder Schmerz
Warum das Problem schon früher anfängt
Viele Lehrer*innen haben Selbstwahrnehmung und emotionale Kompetenz in ihrer Ausbildung – meiner Erfahrung nach – nie gelernt.
Dabei wären sie essenziell:
- für Beziehungsfähigkeit
- für professionelle Selbstführung
- für Resilienz
- für die eigene Gesundheit
Wenn diese Grundlagen fehlen – oder später systematisch unterdrückt werden – bricht das Fundament professionellen Handelns weg.
2. Warum viele Lehrkräfte nie echte Selbstwirksamkeit erfahren
Selbstwahrnehmung und Selbstwirksamkeit gehören zusammen
Nur wenn ich wahrnehme, was ich brauche, fühle oder will, kann ich wirksam handeln.
Aber genau diese Erfahrung fehlt vielen.
Eine standardisierte Ausbildung mit wenig Gestaltungsräumen
Der Weg in den Lehrer*innenberuf ist stark vorgegeben, Gestaltungsspielräume sind minimal.
Viele gehen von der Schule in die Uni – und von der Uni zurück in die Schule.
Sie erleben kaum Kontexte, in denen sie Räume wirklich gestalten können.
Stattdessen dominiert ein System geprägt von:
- Bewertung
- Funktionieren
- Erwartungen erfüllen
- Inhalte abarbeiten
Professionelle Selbstwirksamkeit spielt dabei fast keine Rolle.
Ein träges, schwer bewegliches System
Hinzu kommt: Das deutsche Schulsystem gilt als besonders veränderungsresistent. Viele machen früh Erfahrungen wie:
- „Ich kann sowieso nichts ändern.“
- „Alles ist vorgegeben.“
- „Es bringt ja eh nichts.“
Frustration wird zur Routine.
Mit der Zeit entsteht Ohnmacht – und sie frisst Resilienz wie Handlungskraft.
Wenn du nie an verschiedenen Schulen gearbeitet hast, ist zudem schwer einzuschätzen, ob dein Alltag normal ist – oder ob es anders ginge.
3. Wo Lehrercoaching ansetzt
Lehrer Coaching (Lehrercoaching) ist kein geschützter Begriff. Deswegen kann ich im Folgenden nur beschreiben, was ich darunter verstehe und für wichtig empfinde. Lehrercoaching öffnet für mich einen Raum, den das System Schule kaum bietet:
Einen Ort, an dem du wieder in Kontakt kommen kannst, mit dem, was dich bewegt und dem, was dich trägt.
Lehrercoaching ist kein:
- keine pädagogische Optimierung
- kein Methodentraining
- kein Ratgeber

Alles kann je nach Ansatz eine Rolle spielen, ist für mich aber nicht entscheidend.
Vielmehr ist es ein professioneller Raum, in dem du wieder spürbar wirst – mit deiner:
- Grenze
- Wut
- Erschöpfung
- Sehnsucht
- Klarheit
- Freude
- Gestaltungskraft
4. Ein geschützter Raum für Selbstwahrnehmung
Coaching schafft einen Ort, an dem du wahrnimmst, was du im Alltag vielleicht wegdrückst und erkennst, wie dein Körper auf Belastung reagiert.
Ein lösungs- und ressourcenorientierter Blick zeigt:
- Was funktioniert bereits?
- Wo liegen ungenutzte Ressourcen?
- Wo entstehen Handlungsspielräume?
- Wie lassen sich Arbeitsprozesse entlastender gestalten?

Coaching für Lehrer*innen kann auch sehr praktisch sein – Zeitmanagement, Organisation –
doch sein Kern bleibt für mich dein Selbstkontakt und dein innerer Handlungsspielraum.
5. Wenn Gefühle wieder Raum bekommen, entsteht Handlungsspielraum
Das Unterdrücken von Emotionen ist einer der größten Belastungsfaktoren im Lehrer*innenberuf.
In Coachingprozessen erlebe ich häufig:
Wenn Gefühle wie Wut, Ohnmacht oder Traurigkeit in einem sicheren Raum auftauchen dürfen, entsteht Bewegung:
- Druck löst sich
- Klarheit entsteht
- Handlungsspielräume werden sichtbar
Emotionen sind Wegweiser
- Wut zeigt eine überschrittene Grenze
- Traurigkeit zeigt Verlust
- Ohnmacht zeigt Überforderung
Ohne diese Wegweiser stolpern viele blind durch den Alltag. Deswegen ist es so wichtig, sie wahrzunehmen.
6. Warum Beziehungskompetenz das Fundament ist
Beziehung als Medium für Lernen – und Gesundheit
Lernen entsteht in Beziehung (Hattie).
Und Beziehungsqualität ist eine der zentralen Schutzfaktoren für die Gesundheit von Lehrkräften (Klitzsch).
Cornelius-White hat folgende Annahme:
Empathie, Wärme und Authentizität gehören zu den wichtigsten Einflussfaktoren für gelingende Lehrerinnen-Schülerinnen-Beziehungen. Doch: Beziehungsfähigkeit ist ohne Selbstkontakt nicht möglich.
Denn wie kannst du authentisch oder empathisch sein, wenn du dich selbst nicht wahrnimmst? Wenn du deine Selbstwahrnehmung abschaltest, überlebst du vielleicht den Alltag aber deine Beziehungsfähigkeit leidet.
Hier wird Lehrer Coaching (Lehrercoaching) zur Brücke: zwischen dir und den Menschen, die du täglich begleitest.
7. Wie Lehrercoaching wirkt
Ich arbeite integrativ – mit:
- lösungsorientierten Ansätzen
- gestalttherapeutischer / emotionsfokussierter Prozessarbeit
- körperorientierten Zugängen
Diese Verbindung macht es möglich, nicht nur zu sprechen sondern zu spüren, zu verstehen und handlungsfähig zu werden.
8. Warum Coaching für Lehrer*innen nicht nur im Kopf stattfindet, sondern auch im Körper
Forschung zeigt: Stress, Emotionen und Überforderung entstehen im Nervensystem, nicht im Kopf.
Der Körper reagiert schneller als der Verstand:
- Engegefühl
- veränderte Atmung
- Muskelspannung
- beschleunigter Puls
Embodiment- und Polyvagal-Forschung haben folgende Annahmen:
- Emotionen sind körperlich
- Beziehungskompetenz braucht ein reguliertes Nervensystem
- Unterdrückte Gefühle bleiben als Spannung gespeichert

Körperorientiertes Arbeiten hilft, Emotionen wahrzunehmen, Stress zu regulieren, Anspannung zu lösen und wieder in Kontakt zu kommen.
Erst wenn der Körper beachtung findet und sich beruhigt, wird der Weg zu:
- Klarheit
- Selbstwirksamkeit
- guter Beziehungsgestaltung
diesem Ansatz nach frei.
9. Was Lehrercoaching von Therapie unterscheidet
Ich unterscheide gern zwischen:
- Flächenarbeit (Coaching) – Fokus auf Gegenwart & Zukunft
- Tiefenarbeit (Therapie) – Fokus auf alte Verletzungen
Beides kann wichtig sein und sich ergänzen.
Gerade bei Beziehungsfähigkeit, Abgrenzung oder Selbstwertgefühl landet man schnell an Themen, die Wurzeln in früheren Erfahrungen haben.
10. Was Lehrer Coaching (Lehrercoaching) nicht kann – und was es trotzdem bewirkt
Individuelles Coaching für Lehrer*innen kann das Schulsystem nicht verändern.
Es ersetzt keine politischen Forderungen.
Es darf strukturelle Probleme nicht individualisieren.
Ein gutes Lehrercoaching benennt diese Grenzen klar.
Aber Lehrercoaching kann deine Handlungsfähigkeit stärken – auf allen Ebenen:
- Mikro: Unterricht, Beziehungen
- Meso: Kollegium, Schulprozesse
- Makro: politisches Engagement
Veränderung kann also auch im Kleinen entstehen: In deinem Unterricht. In der Zusammenarbeit mit Kolleg*innen. In der Schule. Und kann Kraft freisetzen für größeres Engagement. Viele Lehrkräfte merken, wie viel Kraft entsteht, wenn sie sich nicht länger als Einzelkämpfer*innen erleben. Und wie viel Kraft gemeinsames Engagement wiederum auch geben kann.
11. Wo es Angebote für Lehrer Coaching und Unterstützung gibt (Berlin)
Berlin hat ein breites Unterstützungsnetzwerk für Lehrkräfte:
von schulpsychologischer Beratung über Coaching bis zu Schulentwicklungsprozessen.
1. Öffentliche schulpsychologische Beratung (SIBUZ)
Angebote u. a.:
- Einzelberatung, Coaching & Supervision
- kollegiale Fallberatung
- Unterstützung bei Konflikten & Krisen
- Fortbildungen
Kostenfrei für Lehrkräfte.
2. Schulentwicklungs- und Organisations-Coaching
Organisationen wie SELAM oder proSchul begleiten Schulen in:
- Schulentwicklungsprozessen
- Teamentwicklung
- Classroom-Management
- Moderation von Transformationsprozessen
3. Private Coachings & Fortbildungen
Freie Coaches und Plattformen wie Fortbildungen Berlin bieten:
- Resilienz
- Klassenführung
- Kommunikation
- Persönliche Professionalisierung
- Individuelle Coachingprozesse
Hierzu zählt auch dein Angebot bei teacherscare.
4. Talea – Stipendium für zukünftige Changemaker
Ein Stipendienprogramm für Lehrkräfte in den ersten Berufsjahren.
Bis zu 50 Teilnehmer*innen arbeiten im Tandem an einem schulischen Projekt und erleben Selbstwirksamkeit.
Ich kooperiere als Coach mit Talea – Einzelsitzungen sind Teil der Förderung.
12. Wann Lehrercoaching sinnvoll ist
Ich finde, eigentlich fast immer.
Denn Coaching, Supervision und psychische Unterstützung sollten zum Schulalltag gehören.
Viele kommen, wenn sie sagen:
- „Ich weiß nicht mehr, ob ich das alles noch will.”
- „Ich liebe den Beruf, aber bin total überfordert.”
Andere kommen präventiv oder schon im Referendariat.
13. Wer zahlt ein Lehrercoaching?
Öffentliche Angebote
Die meisten Fortbildungen und Coachings der Senatsverwaltung für Berliner Lehrkräfte sind kostenfrei.
Private Angebote
Private Coachings musst du selbst tragen, kannst sie aber oft steuerlich als Werbungskosten absetzen.
14. Worauf solltest du bei der Wahl eines Lehrercoaches achten?
Ausbildung
Da der Begriff Lehrercoach / Coach nicht geschützt ist, kann sich jede Person so nennen. Deswegen solltest du checken, ob die Person eine fundierte Coaching-Ausbildung hat.
Kenntnis des Systems Schule
Erfahrung als Lehrkraft oder enge Arbeit mit Schulen ist hilfreich – aber kein Muss.
Persönliche Passung
Der wichtigste Erfolgsfaktor ist die Beziehung.
Das ist wie in der Schule.
15. Wie du starten kannst
Du kannst mit Einzelsitzungen beginnen, Gruppencoaching ausprobieren oder erste Selbstcoaching-Schritte gehen.
16. Wiederkehrende Fragen

Was ist Lehrer Coaching?

Was bedeutet der Begriff „Lehrer Coaching“?

Für wen ist Lehrercoaching geeignet?

Wobei kann Lehrercoaching helfen?

Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Therapie für Lehrer*innen?

Wer bezahlt Coaching für Lehrer*innen?
Du bist neugierig geworden und hast Lust, meine Arbeit kennenzulernen?
Dann schau doch mal auf meiner Website vorbei. Ich biete Coaching und Therapie sowie Gruppenangebote für Lehrer*innen und Referendar*innen an. In Berlin und online.
- Über die Autorin
WER BIN ICH?

Wiebke Heiber
Gründerin TeacherscareIch bin Wiebke Heiber, habe immer wieder als Lehrerin gearbeitet und wollte Schule schon immer verändern. Lange hatte ich das Gefühl, es müsse sich einfach alles ändern. Das fühlte sich so überfordernd an, dass ich lieber gar nichts gemacht habe.
Und ja, Bildung muss endlich höchste Priotität und damit Ressourcen und Wertschätzung auf politischer Ebene erhalten. Und gleichzeitig empfinde ich es als frustrierend nur auf dieser Ebene anzusetzen und auf Änderungen zu warten, während der Schulbetrieb weiter läuft.
Deswegen möchte ich Lehrer*innen dahingehend stärken, dass sie für sich und ihre Werte einstehen. Und vorhandene Gestaltungsräume wahrnehmen, nutzen und vergrößern.




